Donnerstag, 20. Mai, 20.00 Uhr
Freitag, 21. Mai, 19.30 Uhr
Freitag, 21. Mai, 22.30 Uhr
Samstag, 22. Mai, 22.00 Uhr
Sonntag, 23. Mai, 19.30 Uhr
Sonntag, 23. Mai, 22.30 Uhr
Willkommen
SOUNDS NO WALLS 2010 präsentiert die Wegbereiter des südafrikanischen Jazz ebenso wie jüngere Musiker und Musikerinnen, die neue Richtungen einschlagen.
Vor der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent fokussiert das Festival die vitale südafrikanische Jazzszene mit ihren multikulturellen und interkontinentalen Verknüpfungen im Spannungsfeld von Geschichte und Gegenwart. Schmelztiegel Südafrika. Kaum ein anderer Landstrich des schwarzen Kontinentes hat eine solche Fülle musikalischer Stile und Idiome hervorgebracht wie das südliche Afrika. Die originären ländlichen Stammeskulturen blieben erhalten und vermischten sich mit den Chorälen, Hymnen und der Instrumentalmusik der britischen und niederländischen Kolonialisten. Bereits in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kam der Jazz nach Südafrika. In den Städten, in den schwarzen Ghettos, den Townships und an den Rändern der großen Metropolen entstanden neue Musikrichtungen wie Marabi, Kwela und Mbaqanga.
Jazz war in Südafrika stets auch Ausdruck des Überlebenskampfes und der Identität der schwarzen Afrikaner sowie der sich mit ihrem Kampf für Gleichberechtigung Verbündenden. Jazz bzw. jazzverwandte Musik schuf sozialen Zusammenhalt in den Townships und wurde zugleich zu einem Medium des Widerstandes. In den sechziger Jahren verknüpfte sich die Suche nach musikalischer Innovation unmittelbar mit einem neuen schwarzafrikanischen Selbstverständnis und politischen Inhalten. Zu den wichtigsten Bands jener Zeit zählten die „Jazz Epistles“, denen u. a. Dollar Brand, Hugh Masekela und Makaya Ntshoko angehörten. In der ersten Hälfte der sechziger Jahre begann der Exodus südafrikanischer Jazzmusiker. Dollar Brand ging 1962 nach Zürich, wo er im Trio mit Johnny Gertze und Makaya Ntshoko spielte. Der weiße Pianist Chris McGregor gründete mit schwarzen und weißen Musikern eine Big Band, Vorläufer seiner späteren „Brotherhood Of Breath“, und geriet damit in offenen Konflikt zur Apartheid.
Im Quintett „Blue Notes“ hatten sich führende Musiker des neuen Jazz zusammengefunden: der Trompeter Mongezi Feza, die Saxophonisten Dudu Pukwana und Nick Moyake, der Pianist Chris McGregor, der Bassist Johnny Dyani und der Schlagzeuger Louis Moholo.
Nach einer umjubelten Europa-Tournee entschlossen sich die Südafrikaner 1964, nicht mehr in ihre Heimat zurückzukehren.
In Chris McGregors „Brotherhood of Breath“ hatten sich südafrikanische Musiker und europäische Free-Jazz-Improvisatoren gegenseitig inspiriert. Dollar Brand beeinflusste in der Schweiz Musiker und Musikerinnen wie das Trio der Pianistin Irène Schweizer. 1965 verlegte er seinen Wohnsitz in die USA. Er heiratete die südafrikanische Sängerin Sathima Bea Benjamin, konvertierte zum Islam und nahm den Namen Abdullah Ibrahim an. Johnny Dyani arbeitete in Skandinavien mit Don Cherry und John Tchicai zusammen. Südafrikanischer Jazz wurde rund um den Globus getragen, nahm neue Einflüsse auf und wirkte seinerseits anregend auf Musiker in anderen Kontexten. Abdullah Ibrahim, Miriam Makeba und Hugh Masekela gelangen Weltkarrieren. Ihre Popularität und ihren Einfluss nutzend, antizipierten sie ein freies Südafrika.
Nach dem Sieg über die Apartheid kehrten viele der Überlebenden aus dem Exil in ihre Heimat zurück. Mit Hugh Masekela, Louis Moholo, Abdullah Ibrahim sowie dem in der Schweiz lebenden Makaya Ntshoko kommen in Berlin musikalische Legenden auf die Bühne. Neben den Veteranen sind neue Musikerinnen und Musiker herangewachsen. Einige der Profiliertesten sind beim Festival „Sounds No Walls“ dabei: Zim Ngquawana, Shannon Mowday, Carlo Mombelli, Kesivan Naidoo...
Trotz der großen Probleme Südafrikas – Armut, Arbeitslosigkeit, Aids – geht von den Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern des Landes eine neue Zuversicht aus. Wieder wird Musik zu einem mentalen Sensor und zu einem Vorboten für Kommendes.

Bert Noglik
Künstlerischer Leiter